Ansichten aus dem Östlichen Ringgebiet in Braunschweig




Der Osten von Braunschweig

beherbergt viele lauschige Orte. Das "Östliche Ringgebiet" mit seinen Gründerzeitbauten ist eine beliebte Wohngegend.

Auch das Einkaufen macht hier Spaß, denn in der Kastanienallee, der Humboldtstraße oder der Gliesmaroder Straße findet man noch viele inhabergeführte Fachgeschäfte. Diverse Dienstleister wie Ärzte, Elektriker, Reisebüros usw. sind ebenfalls nicht weit.


  Gute Adressen: 
    Gliesmaroder 107    
    Grünstraße 14    
    Humboldtstr. 4    
    Humboldtstr. 19    
    Karlstraße 106    
    Kastanienallee 2a    
    Kastanienallee 40a   
 

* Die Geschichte der Jasperallee *

Die Braunschweiger Jasperallee trägt ihren Namen erst seit 1946. Um 1900 gebaut, hieß diese Prachtstraße zunächst "Kaiser-Wilhelm-Straße". Sie beginnt hinter dem Staatstheater an der Okerbrücke (die damals ebenfalls den Namen "Kaiser-Wilhelm-Brücke" trug und mit jeweils vier großen Löwen- und Frauenskulpturen geschmückt war) und läuft heutzutage bis zum Stadtpark und dem Franzschen Feld unterhalb des Nussbergs. Die Okerbrücke wurde 1889 errichtet, der Bauabschnitt bis zum Hagenring war 1894 abgeschlossen. 1906 - mit der Einweihung der Paulikirche - war auch das letzte Stück der Straße bis zum Stadtpark fertiggestellt. Seit 1901 fuhr bereits eine Straßenbahnlinie zum Stadtpark. Allerdings endete die Straße an der Wilhelm-Bode-Straße; der Durchbruch bis zum Nussberg fand erst 1936 statt. An dieser Stelle kann übrigens immer noch das - mittlerweile in Braunschweig selten gewordene - Kopfsteinpflaster bewundert werden.


Der östliche Stadtrand von Braunschweig in den 20er Jahren Wie gemalt: Stimmungsvolle Aufnahme aus den 20er Jahren, als das östliche Ringgebiet noch nicht lückenlos bebaut war

(Archiv Björn Benken)

Die Jasperallee befindet sich auf jenem Gelände, welches von den innenstadt­nahen Gebieten damals als letztes besiedelt worden ist. Hinter dem Theater befand sich nämlich lange Zeit der "Herzogliche Küchengarten" (und daran anschließend nach Osten der Hagenbruch), und Herzog Wilhelm weigerte sich beharrlich, seinen Besitz zu verkaufen. Erst nach seinem Tode 1885 war der Weg frei für den Bau der "Kaiser-Wilhelm-Straße".


Blick auf die Okerbrücke am Theaterpark Winterliches Stillleben im Theaterpark. Man erkennt die Häuser Jasperallee 1 B (links) und Nr. 87 sowie die Okerbrücke, früher "Kaiser-Wilhelm-Brücke".

(Foto: Björn Benken)

Von Anfang an war die Straße als eine großzügige Allee nach dem Vorbild der Berliner Straße "Unter den Linden" geplant gewesen. Zwischen den Baumreihen in der Mitte, durch die die Straße in zwei Fahrbahnen geteilt wird, befand sich früher ein Reitweg. In den Villen wohnte das wohlhabende Bürgertum: Offiziere, Handwerksmeister, Wissenschaftler und andere angesehene Berufe. Die Wohnungen umfassten teilweise 7-10 Zimmer von insgesamt 350 qm. Es versteht sich von selbst, dass zur Pflege dieser Räumlichkeiten und für das Wohlergehen der Herrschaften ein umfangreicher Stab an Dienstpersonal vonnöten war. Von innen und von außen dokumentierten die Häuser an der Jasperallee den Wohlstand ihrer Bewohner. Prof. Dr. Gerhard Schildt schreibt über das damalige Bürgertum im Lande Braunschweig: "[D]as Bürgertum pflegte einen bewussten Luxus. Man sieht das bis heute an den gründerzeitlichen Villen mit ihren Erkern, Türmchen und Verzierungen. Die Jasperallee in Braunschweig bietet ein gutes Beispiel. Alles war aufwendig, ohne zweckmäßig zu sein, es war Zierrat, der nur die Funktion hatte zu zeigen, was man hatte und was man war".


Die elegante Vergangenheit der Braunschweiger Jasperallee Auf diesem Bild wird deutlich, warum die Jasperallee, die damals noch Kaiser-Wilhelm-Straße hieß, als eine der elegantesten Straßen Braunschweig galt und gilt. (Man sieht die Kreuzung Kasernen­straße/Jasper­allee, Blick nach Norden; das Pferdefuhrwerk fährt Richtung Nussberg)

(Archiv Björn Benken)

Um den Charakter der Straße als noble Wohnstraße zu bewahren, durfte ein Gewerbe nur mit Genehmigung des Magistrats ausgeübt werden. Diese Genehmigung wurde jahrzehntelang nicht erteilt. Hingegen waren in der Jasperallee schon immer hochwertige Dienstleistungsberufe ansässig gewesen, insbesondere aus dem medizinischen Bereich. Zeitweilig sollen bis zu 50 Ärzte in der Straße praktiziert haben. Auch heute noch sind in der Jasperallee auffallend viele Ärzte, Anwälte, Unternehmensberater, Steuerberater, Architekten und andere Freiberufler zu finden.

Nachdem die Straße zwischenzeitlich von 1928 bis 1933 den Namen "Friedensallee" hatte (den heute die ehemalige "Fritz-Alpers-Allee" in Gliesmarode trägt, damals benannt nach dem nationalsozialistischen Finanzminister des Landes Braunschweig) verlieh man ihr nach Kriegsende den Namen "Jasperallee" in Erinnerung an den aufrechten Demokraten Heinrich Jasper. Jasper war 1875 in Dingelbe bei Hildesheim geboren worden, Rechtsanwalt, Mitglied der SPD, seit 1903 Mitglied des Stadtparlaments und in den zwanziger Jahren 7 Jahre lang Ministerpräsident des damaligen Landes Braunschweig. Schon 1933 war er von den Nazis in das KZ Dachau gebracht worden, doch wurde er 1938 auf großen öffentlichen Druck hin wieder freigelassen. Im August 1944 wurde er erneut verhaftet, in das KZ Sachsenhausen gebracht und schließlich in das KZ Bergen-Belsen verlegt, wo er im Februar 1945 - knapp drei Monate vor Kriegsende - starb.


Die Paulikirche an der Jasperallee mit ihrem im Krieg beschädigten Turm

Der Turm der im Krieg beschädigten Paulikirche wurde nie wieder vollständig rekonstruiert.

(Fotos: Björn Benken, 2001)

Im Krieg wurden auch in der Jasperallee viele Häuser teilweise oder ganz zerstört, wie aus der Schadenskarte der Stadt Braunschweig von 1945 ersichtlich ist. Ohne nennenswerten Schaden geblieben waren vor allem die zwischen Paulikirche/Olfermannplatz und Stadtpark gelegenen Häuser; außerdem die Nr. 1, 2, 7/8, 12, 28/29, 33, 35, 36, 61 und 63. Weitere Gebäude, die nur leicht oder mittelschwer beschädigt waren, konnten wieder aufgebaut bzw. ausgebessert werden, so dass die Straße auch heute noch viel von ihrem ursprünglichen Charme behalten hat.


Literaturnachweise:
Der obenstehende Text basiert überwiegend auf den folgenden Quellen:

  • Norman-Mathias Pingel: "Jasperallee", in: "Braunschweiger Stadtlexikon" (S.116), herausgegeben im Auftrag der Stadt Braunschweig von Luitgard Camerer, Manfred R.W. Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf; erschienen 1992 im Joh. Heinr. Meyer Verlag Braunschweig unter der ISBN 3-926701-14-5.
  • Jürgen Hodemacher: "Braunschweigs Straßen - ihre Namen und ihre Geschichten; Band 2: Zwischen Okergraben und Stadtring", Kapitel "Jasperallee" (S.158-159); erschienen 1996 im Elm Verlag Cremlingen unter der ISBN 3-927060-12-7.
  • Gerhard Schildt: "Die Industrialisierung", in: "Die Braunschweigische Landesgeschichte - Jahrtausendrückblick einer Region", herausgegeben von Horst-Rüdiger Jarck/ Gerhard Schildt, erschienen 2000 Appelhans Verlag Braunschweig unter der ISBN 3-930292-28-9.
  • Dieter Diestelmann: "Braunschweig - ein verlorenes Stadtbild", S.18-19; erschienen 1993 im Wartberg Verlag unter der ISBN 3-86134-111-5.

 
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